ÖPNV, Mobilitätskonzepte der SPD für Eching und den Landkreis FS, 17.01.2020.
Bis auf den letzten Platz besetzt war der Saal des ASZ am vergangenen Freitag. Die SPD-Eching hatte geladen zum Thema ÖPNV. In Anlehnung an einen Titel aus der Wochenzeitung DIE ZEIT hatten die Genossen “Bus für lau – und alle fahren Auto” plakatiert. Ein provokanter Titel, aber der Abend hielt, was er versprach.
Nachdem zusätzliche Tische und Stühle herbeigeschafft waren, legte gleich der erste Referent, der Bürgermeister von Pfaffenhofen, Thomas Herker, rasant los. In launiger Form schilderte er seine Heimatstadt als traditionelle „Autofahrerstadt“ – in der Summe gibt es dort mehr Kraftfahrzeuge als Einwohner und damit natürlich massive Verkehrsprobleme. Mit der Einführung des kostenlosen ÖPNV konnten die täglichen Fahrgastzahlen um etwa 130 % gesteigert werden. „Nicht alle Busse sind voll“, sagte er, dafür erhalte er bei anderen Linien Beschwerden, weil manche Fahrgäste keinen Sitzplatz mehr bekommen.
„Der Preis ist dabei aber nur ein Faktor“, eine passende Linienführung, ausreichende Haltestellen und angemessene Taktfrequenzen müssten hinzukommen. Mit einem weiteren Bündel an Maßnahmen – weniger Parkplätze in der Innenstadt, ausreichende und sichere Radwege, ausgewählte Fußgängerbereiche, Bevorzugung von Busspuren usw. – sei erst eine signifikante Steigerung der Fahrgastzahlen zu erreichen. Der öffentliche Raum müsse wieder an die Menschen zurückgegeben werden.
Victor Weizenegger, Mobilitätsexperte
„Eigentlich ist der ÖPNV ja von Haus aus die viel kostengünstigere Variante“, verriet Victor Weizenegger bei der Vorstellung des SPD-Mobilitätskonzepts für den Kreis Freising. Ein VW Polo z. B. koste bei einer Fahrleistung von 15 00 km/a und 60 Monaten Haltedauer jährlich 5 820 €, das MVV-Jahresticket M-6 lediglich 2 016 €. „Und was fehlt nun, damit die Menschen auf den ÖPNV umsteigen“, seine rhetorische Frage. Mit der Antwort: „Der Landkreis FS ist ein Flächenlandkreis und viele Wege sind (derzeit) mit dem ÖPNV gar nicht zu bewerkstelligen“. Für das, was getan werden könnte, hatte er dann eine lange Liste parat: Expressbusse auf den stark frequentierten Strecken, Taktverdichtungen, Fahrradmitnahme in Regionalbussen, Anbindung der Ortsteile mit Midibussen, Kapazität der Bahnstrecke erhöhen, Bahnhöfe modernisieren, die U6 an die S1 anbinden, Car- und Bikesharing, Lückenschlüsse im Radwegenetz …
Sebastian Thaler, Bürgermeister von Eching
Mit dem notwendigen Platzbedarf für 60 Autos in Relation zu 60 Fahrrädern oder gar einem Bus, leitete Sebastian Thaler auf die konkrete Situation in Eching über. Erstaunlicherweise „ist der Radverkehrsanteil in Eching mit etwa 17 % sehr hoch“, stellte er fest, „das reicht aber nicht“. Ein Radweg nach Garching und die Beleuchtung des Radweges nach Günzenhausen seien erste Schritte gewesen. Bessere und schönere Radstellplätze am Bahnhof kämen demnächst hinzu. Wichtig sei zudem, bei der Bauleitplanung den Radverkehr mit zu denken und die Mobilität, ein grundlegendes Bedürfnis der Menschen, nicht auf den Individualverkehr zu reduzieren: MVV-Radstationen, Carsharing Plätze in den Wohngebieten, eine Ringbuslinie (20 Minuten Takt in beide Richtungen) über Dietersheim zur U6 und diverse Ideen mehr, brachte er in die Diskussion ein.
Am Ende der Diskussion fasste Herbert Bengler, Landratskandidat der SPD, die Ergebnisse des Abends zusammen und betonte dabei die Rolle der Kommunen, insbesondere der Landkreise. Was kann der Landkreis leisten, wo kann er koordinieren oder auch eine Führungsrolle einnehmen.
Eine Verkehrswende ohne attraktiven ÖPNV wird es nicht geben können.
v.l.n.r. Sebastian Thaler (Bürgermeister von Eching), Victor Weizenegger (Mobilitätsexperte der SPD), Herbert Bengler (Landratskandidat der SPD), Thomas Herker (Bürgermeister von Pfaffenhofen, SPD)
20.10.2026, 18:30 Uhr - 20:00 Uhr Energiewende-Diskussion mit Nina Scheer, MdB im Viva Vita, Gartenstraße 57, Freising.
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