Blut muss fließen: Nachbetrachtung zu einem Film mit Tiefenwirkung

Veröffentlicht am 20.10.2014 in AntiFa/Migration

von Herbert Hahner (Mitorganisator der Filmveranstaltung im Ramen der Roten Kulturwochen)
im Oktober 2014

(Fotos: Wilms)

Manchmal war es richtig peinlich. Da schupsen sich übergewichtige, tätowierte junge Männer gegenseitig über die Tanzfläche einer Disco. Ein Sänger grölt, die Meute grölt mit und an der vermeintlich passenden Stelle erheben sich die Hände zum Hitlergruß. „Blut muss fließen, knüppelhageldick...“, wird laut skandiert und man lässt verbal die langen Messer durch den Judenleib flutschen. Ekelhaft!!!

Diese und weitere ähnlich absurd anmutende, aber nachhaltig wirkendeSzenen mussten (durften) sich die Besucher_innen der Filmvorführung im ASZ am 15. Oktober ansehen. Recherchiert hat das Material der Journalist Thomas Kuban, der über Jahre hinweg under cover die rechte „Partymeile“ ausleuchtete – in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich, Italien und in Ungarn. Regisseur Peter Ohlendorf  hat daraus einen beeindruckenden Dokumentarfilm zusammengestellt:„Blut muss fließen“

Der RegisseurNun kann man mit etwas Abstand zu den betrachteten Bildern fragen, ob eine solche Filmvorführung mit anschließender Diskussion (der Regisseur war Gesprächspartner) den Sinn macht. Ob es Sinne macht, solche Bilder jungen Heranwachsenden zu zeigen (Der Film wurde am 16. Oktober auch mehreren Schulklassen gezeigt.). Sind die rechten Parteien in Deutschland nicht eigentlich eine Marginalie? Stellen angetrunkene junge Männer, die dumme, ja ekelhafte Texte grölen, wirklich eine Gefahr dar?

Ja, es macht Sinn den Film zu zeigen! Mit Rechtsrock junge Menschen zu ködern und zu radikalisieren funktioniert – leider. Rechtspopulismus kommt an. Die Mitglieder des NSUbewegten sich im Dunstkreis dieser Veranstaltungen. Jahrzehntelang zog die Gruppierung mordend durch Deutschland. Öffentlichkeit, Polizei, Verfassungsschutz und Medien haben es ignoriert bzw. nicht wahrhaben wollen oder gar, so der Verdacht, bewusst weggesehen. „Die Behörden haben nicht nur versagt, sie waren nicht nur unfähig. Sie waren offenbar dazu fähig, die Ermittlungen und die Ergreifung der Verbrecher bewusst fahrlässig oder bedingt vorsätzlich zu verhindern“, schrieb Herbert Prantl in der SZ vom 23. August 2014. Es gibt, so der Bericht des Untersuchungsausschusses des Thüringer Landtags, „den Verdacht der gezielten Sabotage“.

von links: Dr. Jürgen Schechler, Herbert Hahner, Dr. Sybille Schmidtchen, Peter OhlendorfWichtiger aber noch als die Aufmerksamkeit der Behörden ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Das macht auch der Film deutlich. In den Schlussbildern des Films sind die Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin zu sehen. Verwaschen und verschwommen erscheinen sie, im Hintergrund sind Ausschnitte der faschistischen Liedtexte zu hören. „Deutschland wird nicht rückfällig“, soll das Mahnmal eigentlich signalisieren. Die Stelen, obwohl erst wenige Jahre alt, haben bereits Risse. Damit die Risse nicht zum Symbol werden, müssen wir uns aufkommenden Nationalismus, Nazismus und Rassismus entschlossen entgegenstellen.

 

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