Stehen uns englische Verhältnisse bevor?

Veröffentlicht am 09.08.2011 in Arbeit & Wirtschaft

Englands Sozialkapital versinkt im Bermudadreieck von Ausgrenzung, Ignoranz und Stagflation. Was kann mit einer Gesellschaft passieren, wenn Politik, Gemeinschaft und Ökonomie gleichzeitig versagen?
von Jürgen Schechler

Englands Misere ist dreifach: Auf sozialer Ebene werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt. Seit Jahren ignoriert die Politik diese gesellschaftlichen Entwicklungen. Und die britische Volkswirtschaft ist schon vor der aktuellen Schuldenkrise von der gefährlichsten Mischung heimgesucht: Nullwachstum bei gleichzeitiger Inflation. Die Ursachen der neuesten Ausschreitungen in den Großstädten sind demnach vielfältig und können eigentlich nicht verwundern.

Dass es nur einen Funken bedarf, um die ziellose Gewalt eines Stadtteils in einen Flächenbrand zu verwandeln, zeugt von einem doch recht niedrigem Bestand an Sozialkapital. Diese Kapitalform wird von bilateralen Beziehungen, von Gemeinschaften und letztlich vom Zusammengehörigkeitsgefühl ganzer Gesellschaften getragen. Sie beruht auf Vertrauen, Reziprizität und der Akzeptanz gesellschaftlicher Normen. Mangel an Sozialkapital kann enorme Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche Performanz haben, wie verschiedene Studien gezeigt haben (z.B. von Robert D. Putnam).

Neben den ohnehin dramatischen Auswirkungen der aktuellen Gewaltexzesse auf die Vermögen und Existenzen der Betroffenen dürfte die gesellschaftliche Langzeitwirkung ebenfalls katastrophal sein. Das Sozialkapital wird weiter sinken – landesweit. Der Teufelskreis hat längst begonnen und die reflexartige Reaktion der politischen Führung mit harten polizeilichen Maßnahmen wird diesen Abwärtstrend sicherlich nicht bremsen.

Nun sollten sich einige Verantwortliche in Politik und Gesellschaft diese offensichtlichn und noch (!) vermeidbaren Fehler zu Herzen nehmen.

Bild © Torsten Rempt / pixelio.de

 

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